Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin
(Direktor: Univ.-Prof. Dr. Bernd W. Böttiger)

Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie

Die Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin bietet das gesamte Spektrum des Fachgebietes mit seinen vier Säulen Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerzmedizin auf national und international anerkanntem Niveau.

Wissenschaftlich befassen sich die Arbeitsgruppen der Klinik mit mehreren für die Versorgungsforschung relevanten Schwerpunkten:

Kernforschungsgebiet: Präoperatives Training

In einer alternden Bevölkerungsstruktur versorgt die Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin zunehmend Patientinnen und Patienten mit gravierenden Begleiterkrankungen, die sich komplexen Operationen und Interventionen unterziehen müssen. Um den Anforderungen gerecht zu werden, rückt zunehmend die „perioperative Versorgung“ dieser Patientinnen und Patienten durch moderne anästhesiologische Verfahren in den Fokus, und die Versorgungsforschung im Bereich der optimalen präoperativen Vorbereitung gewinnt immer mehr an Bedeutung. Aus diesem Grund befasst sich die Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin mit versorgungsforschungsrelevanten Fragestellungen, mit dem Ziel die prä- und perioperative anästhesiologische Versorgung der Patientinnen und Patienten mit komplexen Begleiterkrankungen noch weiter zu verbessern.

Zentrales Projekt:

„Einfluss von präoperativem Training auf die Inzidenz postoperativer Komplikationen bei Patientinnen und Patienten mit metabolischem Syndrom“ (in Planung)

=> Ziel der geplanten multizentrischen, randomisierten, kontrollierten Studie ist eine Verbesserung der Regelversorgung von Patientinnen und Patienten mit metabolischem Syndrom durch ein körperliches Training vor Operation

=> Wir testen die Hypothese, dass ein körperliches aerobes Intervalltraining 2-3 x pro Woche über einen Monat vor Operation positiven Einfluss auf folgende Endpunkte nimmt: 

  • Reduktion postoperativer Komplikationen
  • Verkürzung der Verweildauer auf der Intensivstation (LOICUS) sowie im Krankenhaus (LOS)
  • Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit
  • Verbesserung von Wundheilung und Entzündungshemmung
  • Verbesserung der Lebensqualität und der Gesundheitskompetenz („Health Literacy“)

=> Sollten sich unsere Hypothesen bestätigen, wird eine Verbesserung der Versorgung durch Etablierung eines präoperativen Trainings mit Übernahme in die Regelversorgung der Gesetzlichen Krankenversicherung angestrebt.

Kernforschungsgebiet: Angewandte Reanimationsforschung

Ziel der Arbeitsgruppe Angewandte Reanimationsforschung ist es, die Aufklärung in der Bevölkerung zum Thema Herz-Kreislaufstillstand und die allgemeine Handlungskompetenz im Notfall wissenschaftlich zu untersuchen und auf Basis von fundierten Forschungsergebnissen weiter zu entwickeln. Hierbei stehen auch gesundheitspolitische Aktivitäten im Bereich der Reanimationsversorgung auf nationaler und auf internationaler Ebene im Fokus.

Durch ein interdisziplinäres Team aus Anästhesisten, Rettungsingenieuren, Gesundheitswissenschaftlern sowie weiteren an der prä- und innerklinischen Reanimationsversorgung beteiligten Akteuren werden eine Vielzahl von Studien u.a. in folgenden Bereichen durchgeführt:

  • Reanimationsausbildung von Schulkindern (KIDS SAVE LIVES Initiative)
  • Leitstellenassistierte Telefonreanimation (T-CPR)
  • Reanimationsausbildung von Erwachsenen
  • Advanced Life Support
  • Ersthelfersysteme
  • Mobile Devices und Applikationen
  • Reanimationsdevices

Zentrales Projekt:

„Video-assistierte telefonische Reanimation“

Testung einer neu entwickelten Technologie für Smartphones, die eine Videotelefonie mit der Rettungsleitstelle ermöglicht. Evaluation anhand des Krankheitsbildes des plötzlichen Kreislaufstillstandes, da hier Ersthelfermaßnahmen besonders entscheidend dafür sind, ob das Ereignis überlebt werden kann.

  • Hypothese: Video-assistierte Reanimation verbessert die Reanimationsqualität im Vergleich zur telefonischen und zur nicht-angeleiteten Reanimation
  • Durchführung: Experimentelle Pilotstudie am Modell an der Uniklinik Köln (Phase I) sowie im Stadtgebiet von Köln (Phase II)
  • Vergleich der Reanimationsqualität mit Videofeedback über eine neue Smartphone-Software gegen konventionelle telefonisch angeleitete Reanimation und Standardreanimation
  • Die Ersthelfer-Reanimation entscheidet wesentlich über das weitere Behandlungsergebnis und die Überlebenschancen von Patienten im Herz-Kreislauf-Stillstand
  • Sofern sich hier positive Ergebnisse zeigen, ist als Folgestudie ein Pilotprojekt im Realbetrieb geplant

Kernforschungsgebiet: Modulation der Perioperativen Stressantwort und Inflammationsreaktion

Eine Entzündungsreaktion (Inflammation) spielt bei perioperativen und intensivmedizinisch komplizierten Verläufen eine herausragende pathophysiologische Rolle. Genannt seien hier beispielsweise Zustände nach großen Operationen, Blutvergiftungen (Sepsis), schweren Mehrfachverletzungen (Polytrauma), Herz-Kreislaufstillstand aber auch schwangerschaftsassoziierten Erkrankungen wie der Präeklampsie. Auch die Entwicklung eines postoperativen Delirs sowie das onkologische Langzeitüberleben werden mit der immunologisch besonders sensiblen perioperativen Phase in Zusammenhang gebracht.

Die Arbeitsgruppe Klinische Forschung und Lehre (Univ.-Prof. Dr. T. Annecke) untersucht in diesem Zusammenhang die Modulation der Inflammationsreaktion durch verschiedene anästhesiologische und intensivmedizinische  Interventionen. Schwerpunkte sind hierbei die Pathophysiologie und Therapie unterschiedlicher Schockzustände, die vaskuläre Barrierefunktion/ endotheliale Glykokalyx, Hypoxie/Ischämie, Sepsis und Metabolismus sowie geburtshilflich anästhesiologisch-intensivmedizinische Fragestellungen.

Zentrales Projekt:  „Enhanced recovery after surgery“ (ERAS)

Wir führen gemeinsam mit der Klinik für Allgemeine Viszeral- und Tumorchirurgie der Uniklinik Köln ein „enhanced recovery after surgery“-Programm für onkologische Patienten durch, die sich einer Ivor-Lewis Ösophagektomie unterziehen müssen.

  • Die Genesung der Patienten soll durch ein multimodales prä-, intra- und postoperatives Programm beschleunigt und Komplikationen reduziert werden. Die Wirksamkeit des Verfahrens und auch die ökonomische Bedeutung untersuchen wir im Rahmen einer begleitenden Studie.
  • Daneben sollen neue Faktoren und Biomarker identifiziert werden, die auf komplizierte Verläufe hinweisen, Risikopatienten erkennen lassen und somit die Versorgungsqualität weiter verbessern können.

Das Programm wird durch das Centrum für integrierte Onkologie (CIO) Köln Bonn gefördert und soll bei positiven Ergebnissen in die Routineversorgung überführt werden.

Kernforschungsgebiet: Geburtshilfliche Anästhesie und Intensivmedizin

Eine Schwangerschaft und die Geburt stellen elementare Situationen dar, denen eine ganz besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden muss. Ein Anästhesist ist in diesem Kontext mehr als nur Schmerztherapeut für die kreißende Frau. Da die Zahl an älteren und vorerkrankten Schwangeren zunimmt, gilt es gemeinsam mit Geburtshelfern, Internisten und Neonatologen ein Gesamtkonzept für die Versorgung peripartaler Risikosituationen zu erstellen. Die Arbeitsgruppe Klinische Forschung und Lehre (Univ.-Prof. Dr. T. Annecke) befasst sich mit interdisziplinären Fragstellungen in diesem Bereich.

Zentrales Projekt: „Sichere Versorgung in geburtshilflichen Risikosituationen“

Entwicklung von Leitlinien und Empfehlungen zur anästhesiologischen Versorgung schwangerer Patientinnen. Diese werden derzeit unter dem Dach der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin nach den Kriterien der Evidenz-basierten Medizin mit unserer Beteiligung neu konzipiert.


Inhaltsübersicht: