Versorgungsforschungsrelevante Projekte

Forschungs- und Beratungszentrum für Unterstützte Kommunikation

MUK - Erweiterung des Selektivvertrags zu Maßnahmen der Unterstützten Kommunikation

Wissenschaftliche Projektleitung: Prof. Dr. Lena Ansmann, Prof. Dr. Jens Boenisch

Wissenschaftliche Mitarbeit: Sarah Uthoff, Anna Zinkevich

Laufzeit: 12/2017 - 11/2020

Fördernde Institution: Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA)

Projektbeschreibung:

Der Versorgungsalltag von Menschen ohne Lautsprache, die auf Maßnahmen der Unterstützten Kommunikation (z. B. Kommunikationstafeln, Sprachcomputer) angewiesen sind, ist derzeit überwiegend von ungeklärten Zuständigkeiten in der Versorgungskette, Hilfsmittel-Fehlversorgungen, fehlenden Qualitätskriterien und Standards, fehlender Nachsorge sowie großer regionaler Unterschiede in der Versorgung geprägt. Eine komplexe Intervention in diesem Versorgungsbereich soll zur Verbesserung der individualisierten Versorgung und der Kommunikationsfähigkeit sowie der Lebensqualität von Patienten ohne Verbalsprache, die auf Maßnahmen der Unterstützten Kommunikation angewiesen sind, beitragen. Das zu evaluierende neue Versorgungsmodell geht über einen bestehenden Selektivvertrag hinaus und umfasst im Wesentlichen die qualitätsgesicherte Beratung zu UK-Hilfsmitteln, ein regelmäßiges Patiententraining und ggf. eine Therapie zur unterstützten Kommunikation. Gesteuert wird dieser Prozess durch ein Case Management und findet in drei spezialisierten Beratungszentren bundesweit statt.

Zur Berücksichtigung der Komplexität der neuen Versorgungsform und der Heterogenität der Implementierung erfolgen eine summative und eine formative Evaluation. Die summative Evaluation mittels quasi-experimenteller Längsschnittstudie überprüft die Wirksamkeit der neuen Versorgungsform gegenüber der bereits bestehenden Versorgung im Selektivvertrag und der bisherigen Regelversorgung. Patienten in der neuen Versorgungsform und im Selektivvertrag werden prospektiv über 24 Monate in die Evaluation eingeschlossen (n= 240 Patienten und n=ca. 200 Patienten). Die historische Vergleichsgruppe besteht aus Patienten, die zwischen 2012 und 2016 außerhalb der beiden Modelle versorgt worden sind (n= ca. 400 Patienten). Die Daten für die summative Evaluation werden mittels standardisierter Befragung der Bezugspersonen der Patienten erhoben.

Die summative Evaluation wird durch eine begleitende formative Evaluation anhand qualitativer und quantitativer Erhebungen der Perspektiven der Beteiligten ergänzt. Neben den Befragungen von Bezugspersonen werden qualitative Fokusgruppen mit an der Versorgung beteiligten Professionellen zu zwei Zeitpunkten durchgeführt. Ebenfalls werden Patienten mit ausreichenden Kommunikationsfähigkeiten oder deren Bezugspersonen in qualitativen Interviews zum Versorgungsprozess interviewt. Die qualitativen Daten werden inhaltsanalytisch ausgewertet.

Während in der marginal existierenden Versorgungsforschung im UK-Bereich aufgrund der mit den Einschränkungen der Patienten einhergehenden Problemen bei der Datenerhebung (z. B. weder Sprach- noch Lesefähigkeit der Patienten, geistige Behinderung, Kindesalter) fast ausschließlich Fallstudien vorliegen, ist das hier vorliegende Studiendesign ein wichtiger Schritt in Richtung Evidenzbasierung in der Unterstützten Kommunikation.