Rehabilitationswissenschaftliche Gerontologie

Gewaltfreie Pflege – Prevention of Elder Abuse

Projektleitung: Dr. P. Pick (MDS), U. Brucker (MDS), Prof.'in Dr. S. Zank (Universität zu Köln)

Ansprechpartner: M. Roser-Kober (MDS, Projektkoordination), M.Neise (Universität zu Köln)

Laufzeit: 07/2013 - 12/2015

Fördernde Institution: Bundesministerium für Gesundheit

Projektkurzbeschreibung:

Das Projekt „Gewaltfreie Pflege – Prevention of Elder Abuse“ beschäftigt sich inhaltlich mit dem Thema der Prävention von Gewalt gegen ältere Menschen in der pflegerischen Langzeitversorgung. Gewalt gegen ältere und pflegebedürftige Personen ist in Deutschland immer noch ein Tabuthema. Es besteht weder ein konkreter Kenntnisstand über die Prävalenz von Gewalthandlungen gegen ältere, pflegebedürftige Menschen noch sind vereinzelte Hilfestrukturen und Unterstützungsangebote in der Bevölkerung bekannt. Selbst ExpertInnen aus dem pflegerischen Versorgungsbereich sind überfordert, da es an einer flächendeckenden Vernetzung von Unterstützungsstrukturen und verbindlichen Handlungsempfehlungen fehlt. Das 30-monatige Projekt des MDS (Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V.) verfolgt daher das Ziel, einen systematischen Ansatz zur Prävention von Gewalt in der ambulanten und/oder stationären Pflege auf kommunaler Ebene zu entwickeln. Dieser soll exemplarisch in vier Modell-Kommunen (Stuttgart, Fulda, Potsdam, Dortmund) implementiert werden, um sowohl beteiligten Akteuren der pflegerischen Versorgungs-landschaft mehr Handlungssicherheit als auch auf kommunaler Ebene einheitliche Strukturen zu ermöglichen, die im Falle von Gewalt nachhaltig greifen.

Das Projekt gliedert sich in drei Phasen (Vorbereitungsphase, Entwicklungsphase, Implementierungsphase). In der Vorbereitungsphase werden bestehende Strukturen innerhalb der einzelnen Modell-Kommunen durch qualitative und quantitative Erhebungsmethoden erfasst und analysiert (IST-Analyse). In der Entwicklungsphase werden Präventionsstrategien unter Berücksichtigung bestehender Strukturen innerhalb der Kommunen und unter Mitarbeit von Experten aus dem Feld entwickelt. In der Implementierungsphase sollen die entwickelten Strategien sowohl für den stationären als auch ambulanten (Pflege-)Sektor eingeführt werden und schließlich durch die wissenschaftliche Begleitung der Universität zu Köln evaluiert werden.


Potenziale und Risiken in der familialen Pflege (PURFAM)

Projektleitung: Prof.'in Dr. S. Zank, Prof. Dr. C. Schacke

Ansprechpartner: Prof.'in Dr. S. Zank

Laufzeit: 12/2010 - 03/2013

Fördernde Institution: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Projektkurzbeschreibung:

Die Erkenntnis, dass die Betreuung chronisch kranker älterer Menschen für die Angehörigen potenziell mit erheblichen negativen psychischen, sozialen, materiellen und gesundheitlichen Konsequenzen verbunden ist, kann mittlerweile als gesichert gelten. Ein weiteres mit der familialen Pflege verbundenes Risiko, das bislang nur selten untersucht wurde, ist die Misshandlung des/der Pflegebedürftigen durch den pflegenden Angehörigen. Zu gewalttätigen Handlungen in der Pflege zählen nicht nur körperliche und seelische Misshandlung, sondern auch Vernachlässigung, materielle Ausbeutung sowie die Einschränkung des freien Willens des Pflegebedürftigen. Maßnahmen, die sich gezielt auf die Prävention und Intervention von Gewalt und Misshandlung in der familialen Pflege richten, sind in Deutschland bislang selten.

PURFAM basiert u. a. auf den Ergebnissen der Längsschnittstudie „Belastung pflegender Angehöriger von demenziell Erkrankten“ (LEANDER). Das Ziel des Projekts PURFAM ist die Optimierung des Praxishandelns mit Schwerpunkt auf Gewaltprävention durch Früherkennung und Ressourcenstärkung. Unter Berücksichtigung internationaler Best-Practice-Ansätze wird eine Präventionsmaßnahme entwickelt, bundesweit in Praxiseinrichtungen implementiert und evaluiert. Hierzu bedarf es der Bündelung von internationalen Forschungsergebnissen mit Praxisexpertise. Für diesen Zweck werden neben einer Literaturanalyse neue Erkenntnisse aus Forschung und Praxis durch ExpertInneninterviews und einem internationalen Workshop mit ausgewiesenen WissenschaftlerInnen und AkteurInnen im Handlungsfeld gewonnen. Bewährte Lösungsansätze aus dem Ausland werden auf ihre Funktionalität im nationalen Kontext überprüft. Als Best-Practice-Kriterien sind u. a. Innovation, Nachhaltigkeit und eine niedrigschwellige Umsetzbarkeit zu bewerten. Bereits bestehende Verfahren im Kinder- und Jugendbereich bieten Impulse für eine Diskussion von Lösungsansätzen sowohl auf mikro-, meso- als auch auf makrogesellschaftlicher Ebene. Die Formalisierung von Abläufen und die rechtliche Verankerung von Zuständigkeiten sind ebenso von Interesse wie die Erfahrungen im Netzwerkmanagement auf regionaler und fachspezifischer Ebene. Adressaten der Intervention sind professionelle Akteure in den Aufgabenfeldern der ambulanten Pflege und Beratung mit direktem Zugang zum Personenkreis der pflegebedürftigen älteren Menschen und ihren Angehörigen. Sie erhalten eine zielgruppenspezifische Schulung in einem Screeningverfahren, welches bereits praktizierte Gewalt identifiziert und darüber hinaus ein erhöhtes Risiko von Missbrauch und Vernachlässigung aufzeigt. In Abstimmung auf die Risikoeinschätzung werden gezielte Maßnahmen zur Ressourcenstärkung stattfinden. Gewaltphänomene in der familialen Pflege unterliegen in besonderem Maße der Gefahr der Skandalisierung und Tabuisierung.

Es handelt sich um ein Forschungs- und Praxisfeld mit einer besonderen Anforderung hinsichtlich der öffentlichen Darstellung und Vermittlung. Eine Vielzahl von pflegenden Angehörigen erbringt familiale Unterstützungsleistungen von hoher Qualität und in großem Umfang. Fälle von Misshandlungen und Vernachlässigen können in Zusammenhang mit einer chronischen Überlastungssituation, beispielsweise beim Vorliegen einer demenziellen Erkrankung stehen. Weiterhin ist zu bedenken, dass pflegebedürftige alte Menschen sich oftmals in einem besonderen Abhängigkeitsverhältnis zu ihren pflegenden Angehörigen befinden. Sie verlieren u. U. mit der Gewalt ausübenden Person ihre zentrale Bezugsperson. Die frühzeitige präventive Identifizierung von Risiken und Ursachen verbunden mit zeitnahen und passgenauen Maßnahmen zur Intervention sind zentrale Verfahren zur Stärkung der familialen Pflege und sind die Zielsetzungen von PURFAM.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziert und in Kooperation mit Prof. Dr. C. Schacke von der Katholischen Hochschule Berlin durchgeführt.


Der Zweite Weltkrieg und pflegerische Versorgung heute: Eine empirische Studie zum Einfluss von Kriegserlebnissen auf aktuelle Pflegesituationen

Projektleitung: Prof.'in Dr. S. Zank

Ansprechpartnerin: I. Wilhelm

Laufzeit: 01/2011 - fortlaufend

Fördernde Institution: Heinrich-Böll-Stiftung

Projektkurzbeschreibung:

Dieses Forschungsprojekt ist als Beitrag zur Diskussion um die Langzeitfolgen von Kriegstraumatisierungen, insbesondere infolge des Zweiten Weltkrieges angelegt. Unter "Kriegstraumatisierung" verstehen wir Erlebnisse, die im Rahmen des Zweiten Weltkrieges bzw. in der Nachkriegszeit stattfanden und die zu Traumatisierungen der Betroffenen im klinischen Sinne geführt haben. Beispielhaft zu nennen wären hier Flucht und Vertreibung, das Erleben von Bombenangriffen, sexualisierte Gewalt oder Hunger.

Untersucht wird innerhalb des Projektes, ob und inwiefern Langzeitfolgen Einfluss auf die Pflege und Unterstützung älterer kriegstraumatisierter Menschen haben, die nicht zu den im Nationalsozialismus verfolgten Gruppen gehören. Im Zentrum steht dabei die häusliche Versorgung Kriegstraumatisierter und hier insbesondere die Frage, ob die vorliegenden Traumatisierungen das Pflegesetting sowie das Belastungsempfinden der pflegenden Angehörigen beeinflussen.

Zunächst wurde eine Fragebogenerhebung zum Thema "Kriegstraumatisierung und Pflege" in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen in NRW durchgeführt. In einem zweiten Schritt werden pflegende Angehörige befragt, in deren häuslichem Setting nach eigenen oder nach Angaben von Pflege- und/oder Beratungspersonal Kriegsbelastungen der Unterstützungsbedürftigen relevant sind bzw. vermutet werden. Dabei soll eine Erhebung per Kurzfragebogen durch eine ausführlichere schriftliche Befragung oder wahlweise ein Interview ergänzt werden.


Entwicklung eines ressourcenorientierten Kommunikationstrainings für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz

Projektleitung: Prof.'in Dr. S. Zank

Ansprechpartnerin: S. Brose

Laufzeit: 2011 - fortlaufend

Fördernde Institution: Eigenmittel

Projektkurzbeschreibung:

Das Projekt widmet sich den besonderen Anforderungen pflegender Angehöriger von Menschen mit Demenz hinsichtlich der Kommunikation. Schwierigkeiten im Gespräch und im kommunikativen Austausch zwischen dementiell erkrankter Person und Pflegeperson sind ein Grund für subjektives Belastungserleben bei pflegenden Angehörigen. In den letzten 20 Jahren sind vielfältige Schulungsprogramme zur Kommunikation entstanden. Sie zeigen Wirkung in Bezug auf die Wissensvermittlung zum Thema Kommunikation, haben jedoch nur geringe Wirkung auf die Reduzierung von Belastung.

In einem neu entwickelten Trainingsprogramm, das theoretisch auf der International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) aufbaut, werden deshalb Gruppen- und Einzelmodule geschult. Dabei sollen vor allem die Einzelmodule die individuelle Situation der pflegenden Angehörigen berücksichtigen. Ziel der Intervention ist es, einerseits das Wissen der pflegenden Angehörigen im Umgang mit kommunikativen Einschränkungen der dementiell erkrankten Familienmitglieder zu verbessern und andererseits – vor allem aufgrund der individuellen Ausrichtung anhand der Einzelmodule – das subjektive Belastungserleben der pflegenden Angehörigen zu reduzieren (Hypothese). In einer Interventionsstudie mit Kontrollgruppendesign wird das Belastungserleben der Probandinnen und Probanden zu drei Messzeitpunkten mit dem Berliner Inventar zur Angehörigenbelastung-Demenz (BIZA-D) erhoben.

Ergänzend wird mit den Probandinnen und Probanden der Experimentalgruppe nach Abschluss des Trainings ein leitfadengestütztes Interview zu den Inhalten des Trainingsprogramms geführt. Eine Auswertung dieser Interviews erfolgt anhand der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring.