Versorgungsforschungsrelevante Projekte

Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Modellprojekt „Autismus und Beruf“

Projektleitung: Kooperationsprojekt

Ansprechpartner: Prof. Dr. Dr. Kai Vogeley (Leiter der Autismus-Sprechstunde für Erwachsene der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Uniklinik Köln)

Laufzeit: 07/2014 - 06/2017

Fördernde Institution: Landschaftsverband Rheinland (LVR)

Projektkurzbeschreibung:

Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) sind besonders häufig von Arbeitslosigkeit betroffen, obwohl sie im Berufsleben sehr wohl leistungsfähig sind. Sie bringen individuelle Bedürfnisse, aber auch besondere Stärken mit.

In einem dreijährigen Modellprojekt arbeiten das LVR-Integrationsamt, das Integrationsunternehmen Füngeling Router gGmbH und die Autismus-Sprechstunde für Erwachsene der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Uniklinik Köln gemeinsam an der beruflichen Integration von Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung. Ziel ist es, Betroffene individuell dabei zu unterstützen, im Arbeitsleben Fuß zu fassen sowie Arbeitgebern spezifische Hilfestellungen an die Hand zu geben, die Betroffene bereits beschäftigen oder in der Zukunft beschäftigen möchten.

Im Fokus des Projektes steht die Erarbeitung und Evaluierung eines, an den Bedürfnissen der Zielgruppe orientierten, Instrumentenkatalogs, der Betroffenen zur Verfügung gestellt werden soll unter Einschluss von Eignungsprüfung, Gruppen- und Einzelcoaching und Arbeitstrainingsmaßnahmen. Auf diese Weise soll der Einstieg bzw. Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt erleichtert werden.

Kontakt: kai.vogeley@uk-koeln.de


Personalized Prognostic Tools for Early Psychosis Management (PRONIA)

Projektleitung: (Zentrum Köln) Herr Prof. Dr. S. Ruhrmann, Herr Prof. Dr. J. Klosterkötter

Ansprechpartner: Herr Prof. Dr. S. Ruhrmann

Laufzeit: 2013 – 2018

Fördernde Institution: Europäische Kommission

Projektkurzbeschreibung:

Affektive und nicht affektive Psychosen haben einen massiven negativen Einfluss auf die Gesellschaft. Sie sind für 6,3% der weltweiten Krankheitslast verantwortlich und kosten alleine in Europa 207 Milliarden Euro pro Jahr. Damit sind sie die teuersten gehirnassoziierten Erkrankungen und sogar teurer als kardiovaskuläre Erkrankungen. Diese soziökonomische Belastung wird maßgeblich durch zwei Kernmerkmale der Erkrankungen verursacht: der Beginn in der Adoleszenz und der langfristig behindernde Krankheitsverlauf. Beide Faktoren führen zu andauernden sozialen und beruflichen Schwierigkeiten und tragen zur 8 bis 10-fach erhöhten Suizidrate bei Betroffenen bei.

Durch reliable und leicht zugängliche prognostische Instrumente könnte diese Last gemindert werden, indem eine individualisierte Risikovorhersage ermöglicht wird. Hierdurch würden ebenfalls gezielte Präventionsmaßnahmen erleichtert.

Das wesentliche Ziel von PRONIA, ist ein multivariates Modell zur individualisierten Einschätzung des Psychoserisikos zu entwickeln, wobei den Schwerpunkt neurobiologische Marker, und hier vor allem magnetresonanztomographische Daten bilden werden. Weiterhin geprüft werden sollen genetische und metabolische sowie neurokognitive und psychometrische Variablen bezüglich ihrer prädiktiven Wertigkeit für ein solches Modell. Der Studieneinschluss in die Hochrisikogruppe wird auf international gebräuchlichen klinischen Kriterien beruhen. Neben den Hochrisikopatienten sollen auch Patienten mit einer ersten psychotischen Episode sowie Patienten mit einer ersten depressiven Episode untersucht werden, hinzu kommt eine psychisch gesunde Kontrollgruppe; geplant ist die Untersuchung von 70 Personen pro Gruppe in jedem Zentrum, Einschlusszeitraum 3 Jahre. Der Beobachtungszeitraum wird 18 Monate betragen, Follow-up-Untersuchungen sind nach 9 und 18 Monaten geplant. In Deutschland wird die Studie in München (Koordinator) und Köln durchgeführt, darüber hinaus wird es Zentren in der Schweiz, Italien, Großbritannien und Finnland (insgesamt sechs rekrutierende Zentren) geben.


Projekt zur Zuhausebehandlung von Patienten mit psychotischen Störungen

Projektleitung: Dr. C. Konkol

Ansprechpartner: Frau M.A. M. Joachimmeyer

Laufzeit: ab 2012

Projektkurzbeschreibung:

Bei der Versorgung von Menschen mit einer psychotischen Störung geht die Uniklinik Köln neue Wege. Bei der Zuhausebehandlung handelt es sich um eine innovative, aufsuchende, intensive und langfristige Behandlung für Menschen mit psychotischen Erkrankungen. Hierbei übernimmt die Uniklinik die medizinische und die finanzielle Hauptverantwortung für die Behandlung der PatientInnen.

Die Behandlung umfasst die engmaschige, ambulante Behandlung psychotischer Patienten in Kooperation mit niedergelassenen Nervenärzten, versorgenden Hilfsangeboten (APP, BeWo) und stationsführenden Kliniken.

Das Zuhausebehandlungsteam ist ein multidisziplinäres Team von Psychoseexperten, das eine komplette Akut-Behandlung bei dem Patienten zuhause durchführen kann. Zuhausebehandlung ist eine Behandlungsoption, die in vielen angloamerikanischen Ländern schon zum Standard gehört. Unserem Team ist es möglich, die Behandlung vorwiegend ambulant durchzuführen und dadurch die stationäre Behandlung deutlich zu reduzieren. Jeder Patient wird durch ein spezialisiertes Team kontinuierlich und langfristig durch alle Phasen der Erkrankung behandelt. Ein Bezugstherapeut trägt die Verantwortung für Planung und Gestaltung des Therapieangebots. Die Zuhausebehandlung an der Uniklinik Köln stellt auf Wunsch eine aufsuchende Behandlung psychisch erkrankter Personen in ihrer gewohnten Umgebung in akuten Krisen und auch langfristig durch ein multiprofessionelles Behandlungsteam (Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter) bereit. Erfahrungen zeigen, dass die Zuhausebehandlung sowohl von Patienten, als auch von Angehörigen der stationären Behandlung vorgezogen wird. Außerdem beinhaltet die Zuhausebehandlung eine personelle Behandlungskontinuität über zunächst zwei Jahre. Eine wissenschaftliche Evaluierung ist geplant.


Studie: European Network of National Networks Studying Gene-Environment interactions (EU-GEI)

Projektleitung: (Zentrum Köln) Herr Prof. Dr. J. Klosterkötter, Herr Prof. Dr. S. Ruhrmann

Ansprechpartner: Herr Prof. Dr. S. Ruhrmann, Frau Dipl.-Psych. A. Nikolaides

Laufzeit: 01/2010 - 01/2014

Fördernde Institution: Europäische Kommission

Projektkurzbeschreibung:

Die im Rahmen des 7. Forschungsrahmenprogramms der Europäischen Kommision geförderte European Gene Environment Interaction Study (EI-GEI) zielt darauf ab, über einen Zeitraum von fünf Jahren interagierende genetische, klinische und umweltbezogene Einflussfaktoren für Entwicklung, Ausprägung und Erkrankungsfolgen schizophrener Psychosen zu identifizieren.

Die detaillierte Analyse des Zusammenspiels von Risiko- und Schutzfaktoren soll in der Folge die frühe Prädiktion eines Übergangs von einem Risikostatus in eine manifeste klinische Störung oder dessen Ausbleiben sowie den Verlauf im Falle eines stattgehabten Übergangs verbessern helfen. Zu diesem Zweck sollen auf Basis der Studienbefunde multidimensionale Algorithmen zur Abschätzung des individuellen Risikos entwickelt werden, um insbesondere den Anteil falsch positiver Vorhersagen zu reduzieren.

Untersucht werden (1) eine Stichprobe von PatientInnen mit diagnostizierter Schizophrenie, (2) deren Angehörige ersten Grades, (3) Personen mit klinisch erhöhtem Pychoserisiko gemäß der sogenannten ultra high risk Kriterien sowie (4) für Psychosen bzw. die Risikokriterien negative Vergleichspersonen. Vorgesehen sind die Erhebung psychosozialer Belastungsfaktoren wie Traumatisierung, Mobbing bzw. Bullying, Cannabis-Konsum oder Migration, neuropsychologischer Variablen und neuroradiologischer Befunde, DNA-Analysen sowie die unmittelbare Erfassung der Stressreaktivität, der Affektregulation und psychosenaher oder psychotischer Erfahrungen mittels elektronisch gestützter Event Sampling Methoden im Alltag der StudienteilnehmerInnen.

Die multizentrische Studie wird von der Universität Maastricht, Niederlande, koordiniert. Die Klinik für Psychatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Köln nimmt als Koordinationspartner an dem von Institute of Psychiatry in London, Großbritannien, koordinierten Work-Package teil. Im Früherkennungs- und Therapiezentrum für psychische Krisen (FETZ) der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Uniklinik Köln werden eine Teilstichprobe der Personen mit klinisch erhöhtem Psychoserisiko sowie ein Teil der Kontrollpersonen rekrutiert und untersucht. Nach einer Baseline-Erhebung folgen nach 12 und nach 24 Monaten entsprechende Follow-Ups mit Reevaluation der Baseline-Variablen und Feststellung des psychopathologischen Status bzw. des etwaigen Übergangs in eine manifeste psychotische Störung.


EarlyCBT: Early cognitive behavioural psychotherapy in subjects at high risk for bipolar affective disorders (Zeitige kognitive Verhaltenstherapie bei Personen mit einem hohen Risiko für eine bipolare Störung)

Projektleitung: (Zentrum Köln) Prof. Dr. A. Bechdolf

Ansprechpartner: Frau Dipl.-Psych. V. Pützfeld

Laufzeit: 2010 – 2015

Fördernde Institution: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Projektkurzbeschreibung:

In Zusammenarbeit mit den Kliniken Hamburg, Hamm, Bochum und Dresden, Würzburg und Berlin wird eine randomisierte, kontrollierte Therapiestudie zur Frühintervention bei einem erhöhten Risiko für bipolare Störungen durchgeführt.

Bipolare Störungen sind schwerwiegende psychiatrische Erkrankungen mit enormen individuellen und gesamtgesellschaftlichen Belastungen. Sie werden häufig erst spät erkannt und adäquat behandelt. Die Erkrankung manifestiert sich bei den meisten Patienten im Jugendlichen- und jungen Erwachsenenalter, erste Symptome werden häufig schon vorher erlebt. Im Vergleich mit der Situation bei bevölkerungsrelevanten somatischen Erkrankungen steht die Prävention/Früherkennung psychiatrischer Erkrankungen noch relativ weit am Anfang. Für Früh- und Prodromalphasen bipolarer Störungen existieren keine validierten Diagnoseinstrumente bzw. Behandlungsmethoden. Die Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie möchte die Lücke in der Erforschung, Diagnosestellung und Versorgung mit Fokus auf Frühstadien bipolarer Störungen schließen helfen.

Ziel der Studie ist es, zu untersuchen ob Personen, mit erhöhtem Risiko eine bipolare Störung auszubilden von einer zeitigen spezifischen kognitiven Verhaltenstherapie (inklusive Stressmanagement) im Alltag mehr profitieren können als von unstrukturierten Gruppensitzungen. Ziel ist die Verbesserung des psychosozialen Funktionsniveaus. Unsere Hypothese ist, dass eine zeitige spezifische kognitive Verhaltenstherapie bei Personen mit erhöhtem Risiko eine bipolare Störung auszubilden die Copingstrategien im Alltag stärker verbessert, als dies durch unspezifische Gruppentreffen erreicht wird. Weiterhin soll untersucht werden, ob spezifische Intervention die affektive Symptomatik reduziert und die Wahrnehmung von Stress und den Umgang damit verbessert und dies deutlicher zu Tage tritt, als bei einer Kontrollgruppe, deren Probanden an unstrukturierten Gruppentreffen teilnehmen. Zudem soll die Rate derer ermittelt werden, die tatsächlich das Vollbild einer bipolaren Störung ausbilden.

Die Studie richtet sich an Personen zwischen 15 und 30 Jahren. Die Dauer der Studie beträgt insgesamt 18 Monate. Davon finden in 14 Wochen Behandlungen auf wöchentlicher Basis statt. Die Probanden der Gruppe 1 erhalten in Gruppensitzungen eine spezifische kognitive Verhaltenstherapie. Dabei lernen die Studienteilnehmer spezielle Techniken im Umgang mit Stress und der spezifischen Frühsymptomatik der bipolaren Störung kennen. Probanden der Gruppe 2 besprechen ebenfalls in Gruppen den Umgang mit Stress und der Frühsymptomatik der bipolaren Störung, hier kommen jedoch keine spezifischen Interventionen zum Tragen.


Sekundäre Prävention der Schizophrenie (PREVENT)

Projektleitung: Prof. Dr. A. Bechdolf, Prof. J. Klosterkötter

Ansprechpartner: Dr. C. Konkol

Laufzeit: 2008 - 2015

Fördernde Institution: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Projektkurzbeschreibung:

In Zusammenarbeit mit Früherkennungszentren in Bonn, Düsseldorf, Aachen, Berlin, München, Göttingen, Bochum, Hamburg, Mannheim und Dresden wird unter Kölner Koordination und unter Beteiligung des Zentrums für Klinische Studien Köln (ZKS Köln) eine randomisierte, kontrollierte Therapiestudie zur Frühintervention von Psychosen durchgeführt. International liegen derzeit mehrere Studien vor, die sowohl für psychotherapeutische als auch für pharmakologische Behandlungsstrategien auf eine gute Wirksamkeit in der Frühphase von Psychosen hinweisen, ohne dass diese beiden Behandlungsansätze bislang jemals direkt miteinander hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bei der Vermeidung einer ersten psychotischen Episode verglichen wurden. Diese Wissenslücke soll mit PREVENT nun geschlossen werden, so dass die Studie damit auch eine internationale Vorreiterposition bei der Erforschung der bestmöglichen Behandlung von Menschen mit einem erhöhten Risiko für psychotische Erkrankungen besitzt. In PREVENT wird die medikamentöse Behandlung mit dem atypischen Antipsychotikum Aripiprazol (Abilify ®) mit einer Placebo-Medikation sowie einer Psychotherapie (Kognitive Verhaltenstherapie) bei Personen mit einem nach ihrem Beschwerdebild erhöhten Risiko für die Entwicklung einer ersten psychotischen Episode verglichen. Dabei stehen vor allem die Verhinderung des Auftretens einer Psychose (Sekundärprävention) und die Milderung der aktuellen Symptomatik im Vordergrund.

Ähnlich wie schon in den Interventionsstudien des Kompetenznetzes Schizophrenie zielt auch PREVENT auf Personen zwischen 18 und 49 Jahren ab, die (a) bereits ein feines, abgeschwächtes psychose-ähnliches Beschwerdebild zeigen (eigenartige Denkinhalte, Beziehungserleben, Misstrauen und paranoide Ideen, eigenartige, aber noch gut verständliche Sprechweise, kurzfristig in die Umwelt verlegte Wahrnehmungsverzerrungen), (b) nur sehr kurzfristig und selten auftretende, aber bereits klar psychotische Symptome bieten (Halluzinationen, Wahn oder formale Denkstörungen), (c) seit mindestens einem Jahr unter schwer erklärbaren, immer wieder auftretenden Konzentrations- und Aufmerksamkeitsproblemen leiden bzw. über eigenartige Störungen in den Denkabläufen klagen (Unfähigkeit zur Spaltung der Aufmerksamkeit, Bannung der Aufmerksamkeit durch banale Details, Gedankeninterferenzen, -blockierungen oder -jagen, Störung der rezeptiven oder expressiven Sprache, vermindertes abstraktes Denken, Eigenbeziehungstendenzen) oder (d) einen erstgradigen biologischen Angehörigen besitzen, der an einer Psychose litt, oder selbst eine schizotype Persönlichkeitsstruktur aufweisen und gleichzeitig binnen des letzten Jahres deutliche Einbrüche auf schulisch-beruflichem und/oder sozialem Gebiet zeigten.

Für diese Personengruppe muss nach den hierzu vorliegenden Studien ein im Mittel fast um das 50-fache erhöhtes Risiko, binnen eines Jahres an einer Psychose zu erkranken, von etwa 0,07 auf 38 % angenommen werden. Zudem leidet sie häufig bereits unter anderen psychischen Erkrankungen, insbesondere depressiven und sozial phobischen Störungen, die sich zumeist im Zuge der angenommen prodromalen Beschwerden entwickelt haben und den bewährten antidepressiven und anxiolytischen Behandlungsstrategien allein nicht oder nur unzureichend und kurzfristig zugänglich sind.