Schwerpunkte

Zu den relevanten Teilgebieten der Versorgungsforschung zählen unter anderem die Bedarfs-, Inanspruchnahme- und Organisationsforschung, das Health Technology Assesment (HTA), die Versorgungsökonomie und –epidemiologie sowie die Qualitätsforschung.

Die Bedarfsforschung beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Ermittelung des subjektiven und objektiven Bedarfs und seiner Determinanten.

Die Inanspruchnahmeforschung hat das Ziel Kenntnisse darüber zu gewinnen, in welchem Umfang und in welcher Qualität Leistungen in Anspruch genommen werden und von welchen Faktoren dieses Verhalten beeinflusst wird.

Die Organisationsforschung beschreibt und analysiert die Versorgungsstrukturen und –prozesse im Gesundheitssystem.

Das HTA untersucht als eine Form der technikbezogenen Versorgungsforschung produkt- und verfahrensbezogene Versorgungstechnologien. Eine wichtige Aufgabe dieses Forschungszweiges besteht in der Erstellung von Gutachten zur Wirksamkeit von medizinischen Verfahren oder Techniken durch die Erstellung von sogenannten HTA-Berichten. Diese systematischen Übersichtsarbeiten, die nach genau definierten Regeln erstellt werden und den aktuellen Forschungsstand zu einem Thema aufarbeiten, dienen den politischen Verantwortlichen im Gesundheitssystem als Entscheidungsgrundlage.

Die Versorgungsökonomie beschäftigt sich im Wesentlichen mit Finanzierungsfragen des Gesundheitssystems und ermittelt in diesem Zusammenhang zum Beispiel Kosten und Nutzen von Versorgungsstrukturen, -prozessen und –technologien.

Die Versorgungsepidemiologie untersucht die Zusammenhänge zwischen dem Versorgungssystem und Outcomeparametern mit dem Ziel den Einfluss der Versorgungsstrukturen, -prozessen und –technologien sowie deren Leistung zum Beispiel auf Lebenserwartung, Gesundheit und Wohlbefinden der Patienten zu untersuchen. Hier spielt insbesondere die sogenannte Effectivness-Forschung eine zunehmend wichtige Rolle, die die relative Wirksamkeit von Behandlungsmethoden und Verfahren mit Hilfe unterschiedlicher, insbesondere sozialwissenschaftlicher Methoden untersucht (weitere Details siehe Pfaff 2003).

Die Aufgabe der Qualitätsforschung besteht darin Struktur- Prozess- und Ergebnisqualität der Kranken- und Gesundheitsversorgung valide zu messen und zu beschreiben. Hierbei ist ebenfalls Aufgabe der Versorgungsforschung an der Entwicklung von geeigneten sowie praxistauglichen Strukturen, Prozessen und Instrumenten zur Qualitätsmessung, -sicherung und -optimierung mitzuarbeiten. Auf diese Weise können Determinanten von „guter“ Qualität ermittelt und den Akteuren im Gesundheitswesen zugänglich gemacht werden. Hierbei arbeiten Organisationsforschung und Qualitätsforschung optimaler Weise eng zusammen. Somit besteht eine zentrale Aufgabe der Versorgungsforschung außerdem darin, mit ihren Fragestellungen, Methoden und Lösungsansätzen Probleme aus dem Bereich der Qualitätssicherung bzw. des Qualitätsmanagements zu bearbeiten.

Teildisziplinen der Versorgungsforschung (nach Pfaff 2003)

Bedarfs-
forschung
Inanspruch-
nahme-
forschung
Organisations-
forschung
HTA Versorgungs-
ökonomie
Versorgungs-
epidem.
Qualitäts-
forschung
Gegenstand der
Betrachtung
Bedarf
-objektiver
-subjektiver
Inanspruch-
nahme
Versorgungs-
strukturen & -prozesse
Versorgungs-
technologien/ -mittel
Finanzierung
Kosten
Nutzen
Gesundheit
Wohlbefinden
Qualität
Ansatzpunkt im
systemtheoretischen
Modell
-Input -Input -Throughput -Throughput
-Output
-Outcome
-Input
-Throughput
-Output
-Outcome
-Outcome -Throughput
-Output
-Outcome
Literatur:
  • Pfaff, H. (2003). Versorgungsforschung - Begriffsbestimmung, Gegenstand und Aufgaben. In H. Pfaff, M. Schrappe, K. W. Lauterbach, U. Engelmann, & M. Halber (Eds.), Gesundheitsversorgung und Disease Management. Grundlagen und Anwendungen der Versorgungsforschung (pp. 13-23). Bern: Verlag Hans Huber.